Christiane Maier Reinhard: Aktuell entwickelt sich meine Arbeit in drei Werkgruppen. (1) Die «Konstellationen» sind Arbeiten auf Glasvlies, Gruppierungen von Einzelelementen. Über ein Raster organisiert ermöglichen sie wand-raumbezogene Installationen. Auf dem Glasvlies amorph ausfliessende Tusche steht im Kontrast zur klaren Kontur der geschnittenen Flächen. Ihre Anmutung changiert zwischen rein geometrischer Form, Naturfragment und Körperlichkeit.
(2) Tuschzeichnungen auf Washipapieren folgen Naturbeobachtungen und fügen sie in ein Gewebe aus gedruckten Strukturen ein. «Stoff aus vielen Jahren» als Titel dieser Werkgruppe spielt neben der Materialität (Stoff, Gewebe, Teppich) auch auf Immaterialität an, den Stoff einer Narration, das Diskursgewebe, in dem ein Naturverhältnis erzählt wird. (3) Die dritte Werkgruppe – « Nicht alles lässt sich erklären» – ist die Temperamalerei. Als Aktion in selbstvergessener Präsenz scheint sie eine zur Zeichnung und den Konstellationen konträre Praktik. Sie ist der Versuch, den Grenzziehungen – den Kategorisierungen – zu entgleiten, in die wir unvermeidbar eingebunden sind. Die drei Werkgruppen stehen im Dialog und bilden einen Resonanzraum für das, was ich als «Darin-Sein in Existenz» zu befragen meine.
