Künstler der Kunsthochschule Basel
Künstler der Kunsthochschule Basel
Nora Vest verfolgt seit vielen Jahren eine künstlerische Praxis, die sich jenseits klarer Gattungsgrenzen bewegt. Ihr Werk umfasst Skulpturen, Fotografien, Malereien, Textilarbeiten und Installationen – Ausdruck einer Haltung, die Offenheit und Wandel zum Prinzip erhebt. Jedes Medium wird zur Möglichkeit, Wahrnehmung in Bewegung zu bringen, Übergänge zu betonen, statt Grenzen zu ziehen. In ihren Fotografien sucht Vest nach einem Gleichgewicht zwischen Realität und Auflösung, zwischen dem, was sichtbar ist, und dem, was sich entzieht. Durch digitale Bearbeitung, Überlagerungen und Farbakzente entstehen vieldeutige Bilder, die an Schwellenmomenten operieren – dort, wo das Bekannte ins Ungewisse gleitet. Diese visuelle Ambivalenz spiegelt eine innere Haltung: Kunst als Raum des Dazwischen, als Erfahrung des Fliessens. Das Wasser ist für Nora Vest nicht nur Thema, sondern Denkfigur. In ihren ortsbezogenen Installationen – oft im oder auf dem Wasser – begegnet man dem Element als Spiegel, Oberfläche, Grenze und Durchlässigkeit zugleich. Wasser steht hier für Veränderung, für das stetige Werden und Vergehen, das auch das menschliche Leben bestimmt. In den Reflexionen des Lichts, im Schimmern der Bewegung und in der Stille des Flusses entfaltet sich eine leise poetische Kraft. Vests Arbeiten widersetzen sich einer eindeutigen Lesart. Sie verbinden ästhetisches Erleben mit einer sensiblen Aufmerksamkeit für Natur und Umwelt, ohne belehrend oder programmatisch zu wirken. Stattdessen öffnen sie Räume der Wahrnehmung, laden zur Langsamkeit, Achtsamkeit und Freude ein. In dieser Haltung liegt eine subtile Form von Widerstand – gegen Beschleunigung, Setzungen, gegen das Vergessen der Sinne. Nora Vest schafft Bilder und Räume, die uns das Sehen selbst zurückgeben: beweglich, durchlässig, lebendig.
Konzept Portes Ouvertes 2026: Hee Alter…. mach doch mal auf Nachlassverwalter… Hansjörg Marti, ein aus diversen Gründen in Vergessenheit geratener Künstler im jüngerem Rentneralter zeigt in einer «Salonhängung» Zeichnungen, Objekte, Dokumentationen und Ideenordner aus mehr als 40 Jahren Kunstarbeit. Hee Alter ist ein Versuch, seine alten und neuen Werke irgendwie «nachlassverwalterisch» in den Griff zu bekommen oder mindestens zu ordnen und auszumisten. Die gezeigten und nicht gezeigten (sprich: eingelagerten Arbeiten) werden wahrscheinlich nach seinem Ableben definitiv der Entsorgung zugeführt. Hee Alter thematisiert das Schicksal unbeachteter KünstlerInnen-Nachlässe und deren Endlösung «Veraschung in Kehrrichtverbrennungsanlagen» und appelliert erwartungslos an das Wohlwollen amtlicher und selbstberufener Nachlassverwalter.
Ich arbeite mit Ton auf Wasserbasis und fertige dann eine Form aus Silikon und Gips an, damit mein fertiges Werk entweder in Bronze, Gips oder Harz gegossen werden kann.
Momu & No Es, Lucía Moreno (Basel, 1982) and Eva Noguera (Torelló 1979), both graduated from the Painting Department of the Faculty of Fine Arts at University of Barcelona, later completed they MFA at DAI (The Dutch Art Institute) in The Netherlands.
Meine künstlerische Praxis begreife ich als eine prozesshafte Untersuchung des Körpers in Bewegung und seiner Übersetzung in visuelle, räumliche und mediale Formen. Der Körper fungiert dabei zugleich als Erfahrungsraum und als Bildträger: als Subjekt, das wahrnimmt, handelt und erinnert, und als Objekt, das geformt, fragmentiert und repräsentiert wird. Aus dieser Spannung heraus entstehen Arbeiten, die Bewegung nicht primär als Ausdruck, sondern als Methode der Erkenntnis verstehen.
Im Zentrum meines Interesses steht die Frage, wie körperliches Wissen entsteht, wie es sich in Bilder, Linien, Volumen oder zeitliche Strukturen einschreibt und wie diese Übersetzungen unsere Wahrnehmung von Identität, Präsenz und Raum beeinflussen. Tanz, insbesondere Breaking, bildet dabei keinen abgeschlossenen Bereich, sondern einen Ausgangspunkt für eine medienübergreifende Praxis, in der Bewegung in Zeichnung, Skulptur, Film, Installation und Performance überführt wird. Diese Medien werden nicht als voneinander getrennte Disziplinen behandelt, sondern als unterschiedliche Aggregatzustände derselben körperlichen Erfahrung.
Ein wiederkehrendes Thema meiner Arbeit ist die zunehmende Verschiebung von unmittelbarer, sensorischer Erfahrung hin zu medial vermittelten Bildern des Körpers. In einer von technologischen Apparaten, architektonischen Ordnungen und digitalen Repräsentationen geprägten Gegenwart wird der Körper immer häufiger über sein Bild definiert. Mich interessiert, wie diese Bedingungen Wahrnehmung formen, welche Formen der Konditionierung sie hervorbringen und wo Reibungen, Brüche oder Widerstände entstehen können. Die Arbeiten untersuchen diese Spannungsfelder, indem sie den Körper in Situationen versetzen, in denen er sich an räumliche Strukturen anlehnt, gegen sie arbeitet oder von ihnen geformt wird.
Auch wenn visuelle Medien eine zentrale Rolle spielen, richtet sich meine Aufmerksamkeit bewusst auf nicht-visuelle Dimensionen von Wahrnehmung: auf Gewicht, Druck, Reibung, Gleichgewicht, Atem, Zeitdehnung und innere Zustände. Bewegung wird dabei zu einem Instrument, um diese Qualitäten erfahrbar zu machen und ihnen eine Form zu geben, ohne sie vollständig zu fixieren. Die entstehenden Arbeiten sind weniger als abgeschlossene Aussagen zu verstehen, sondern als Momentaufnahmen eines fortlaufenden Dialogs zwischen Körper, Raum und Vorstellung.
In diesem Sinne verstehe ich meine Praxis als eine Suche nach Formen, die körperliche Erfahrung nicht ersetzen, sondern verdichten und transformieren. Sie zielt darauf ab, Wahrnehmung nicht zu erklären, sondern sie zu verschieben – hin zu einer Aufmerksamkeit für das, was sich im Übergang zwischen Bewegung und Bild, zwischen Präsenz und Repräsentation, zwischen Körper und Umwelt ereignet.
Aleksandra Cegielska (b. 1985) is a Polish multidisciplinary artist based in Basel, Switzerland. Her practice spans painting, sculpture, textiles, performance, and public art, grounded in feminist theory, personal narrative, and bold social commentary. Working at the intersection of fashion, advertising aesthetics, and activism, Cegielska’s work interrogates systems of power, gender norms, and the commodification of identity – often with a fierce visual language steeped in irony, sarcasm, and unapologetic color.
Cegielska’s art is deeply autobiographical yet universally resonant. She often places herself within the frame -literally and metaphorically – exploring themes of body autonomy, media manipulation, femininity, migration, and memory. Influenced by artists such as Andy Warhol, Barbara Kruger, Jenny Holzer, and Cindy Sherman, she employs the visual codes of advertising – posters, slogans, banners, and social media – to subvert the language of persuasion. Text is central to her practice; she uses it to disturb, question, and invite dialogue. The vulva, a recurring motif in her work, is used symbolically to explore broader socio-political constructs including domestic abuse, reproductive rights, and the policing of bodies. Her visual vocabulary is striking: bold colors, graphic shapes, and tactile materials create works that seduce before they confront.
Kunstbulletin 4/2018 (Auszug) Isabel Zürcher Im Eigensinn der Materie Wenn Maria Magdalena Z’Graggen über Farbe spricht, geht’s nicht zuerst um Nuancen und nicht um Töne: Sie geht mit eigentlichen Charakteren um. Mattes und Glänzendes, das Hitzige, Anschmiegsame wie das Widerspenstige ihrer jeweiligen Natur bietet sie zum Zusammenspiel auf – genau das ist die Kunst ihrer Malerei. Auf dass auch nach Abschluss einer kaum korrigierbaren, umso konzentrierteren Bewegung die Vitalität einer Leinwand oder Holztafel nicht in ängstliche Starre übergeht. Wie unbekannte Gestirne schweben Kreisformationen auf monochromem Grund. Manche scheinen nach einer ungestümen Zentrifugalbewegung zum Stillstand gekommen. Dabei spannt sich ein Überschuss an Farbe zur homogenen Folie spannt oder bleibt wie ein gestrandeter Fisch schillernd liegen. Die neckische Kulinarik, die das Drehmoment um die Mitte organisiert wie um eine glasierte Kirsche, erinnert an ein früheres Kapitel in Z’Graggens malerischem Werdegang: In ihren «Friandises» (1998/99), kleinen Objekten in Öl auf Holz, hatte sie Malerei wie Amuses-Bouches als Augenschmaus offeriert. In unterschiedlichem Aggregatzustand variiert auf anderen Werken der senkrechte Fall schmaler Farbbänder: Kontraste, Rhythmen, Verschmelzung oder Abstossung. So sehr auch diese Malerei in ihrer vertikalen Organisation die Erinnerung an die Grossen, Abstrakten der amerikanischen Nachkriegszeit in sich birgt – abstrakt ist sie nicht. Und so sehr sie Assoziationen an Himmelskörper, Zielscheiben, vielleicht Arenen aufruft – das im engeren Sinn Figurative bleibt ihr fern. Malerei ist das unmittelbare, nahsichtige, immer wieder einmalige Auftreffen von Farbe auf Holz, Leinwand, auch auf Papier. Und es ist eine Technik, mit der Maria Magdalena Z’Graggen Phänomene der Welt auf ein sinnliches Konzentrat verdichtet. Im langjährigen Hin und Her zwischen Öl und Aquarell, zwischen Modellieren, Zusammenfassen und Verflüssigen insistiert ihr Schaffen auf einem schöpferischen Urzustand: Das Werden triumphiert über das Sein, und das Überraschende von Harmonie oder Dissonanz lehnt sich fröhlich gegen jede rigide Begrifflichkeit auf.
Barbara Wiggli bewegt sich in ihrem Werk in verschiedenen Gattungen, wobei die Skulptur und die Bildhauerei ihr bevorzugtes Feld sind. Wiggli arbeitet mit Materialien und Fundgegenständen, die ihr zufallen, zuströmen. Das Thema der Fügung, Zusammensetzung, Assemblage beschäftigt sie immer wieder aus einer anderen Perspektive. Die Werke entstehen nicht als Serie. Jedes Werk ist ein Solitär, der sich mit anderen Arbeiten zu einer Familie fügt. Die Skulpturen erweitern sich in den Raum und treten miteinander in Dialog. Die Künstlerin bringt in jedem einzelnen Werk unterschiedliche Materialien und Formen zusammen, integriert Merkwürdiges und versucht im Disparaten ein Gleichgewicht zu finden. Das Werk „Fundstück an Sockel geschmiegt“ aus dem Jahr 2018 besteht beispielsweise aus einem am Flussufer gefundenen Styroporstück und einem Sockel. Die beiden Materialien reagieren aufeinander, es entsteht eine „Schmiegung“.
Gansners Arbeiten befassen sich mit dem Spannungsfeld zwischen dem «Ich» und dem «Anderen». Ihre Werke sind oft nicht nur körperlich, sondern auch emotional und psychologisch. Es dreht sich um Gegensätze wie Anziehung und Abstossung, Vertrautes und Fremdes, aber auch um Themen wie Fetischismus und um gesellschaftliche Normen, die den Körper definieren.
Ihre Grundlage bildet die Abjekt-Theorie von der Psychoanalytikerin Julia Kristeva, sie beschreibt das Abjekt als etwas, das uns irritiert, weil es die Grenzen des Subjekts und unserer kulturellen Ordnung bedroht. Es handelt sich um das, was als gefährlich, ekelhaft oder unrein gilt – alles, was in unserem Selbstverständnis nicht Platz hat. Gansners Werke fungieren als Spiegel, der diese Abjekte in den Vordergrund rückt und das Publikum herausfordert, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Wenn wir eine Ausstellung besuchen, erwarten wir immer etwas von den Kunstwerken – was aber, wenn die Kunstwerke etwas von uns erwarten?
In Gansners Arbeiten kommen diese Themen auf unterschiedliche Weise zur Sprache. Ihre Arbeit lädt die Betrachter ein, sich mit den Aspekten der Abjekte auseinanderzusetzen und die Komfortzone zu verlassen. Sie fordert uns dazu auf, das Ekelhafte, das Unerwünschte und das Verdrängte zu umarmen und zu akzeptieren, dass diese Elemente integrale Bestandteile der eigenen Identität sind. Gansners Kunst zeigt, dass das Abjekt nicht nur abgestossen werden sollte, sondern als eine Quelle für Erkenntnis und Verständnis dienen kann. In ihrer Auseinandersetzung bietet sie einen neuen Zugang zu Themen von Identität, Fremdheit und dem menschlichen Zustand.