Vanessa Gageos ist eine interdisziplinäre Künstlerin, deren Werke zwischen Installation, Performance, Klang und Video oszillieren. Ihr Fokus liegt auf dem Inhalt, und ihr Credo lautet: Form und Format dienen als Medium für Ideen. Infolgedessen manifestiert sich ihre künstlerische Praxis als ein kontinuierliches Experiment, eine ständige Transformation. Häufig arbeitet sie mit technologischen Alltagsgegenständen, die von Entsorgungshöfen stammen, etwa gebrauchte Batterien oder Kabel, und formt daraus vielschichtige narrative und poetische Zusammenhänge. Ihren Master und Bachelor erwarb sie an der Hochschule der Künste Bern und studierte zudem an der Universität der Künste Berlin sowie an der Kunsthochschule Weissensee Berlin.
Vor fast einem Jahrzehnt saß ich auf einem Traktor, der mit einem kleinen Tank
ausgestattet war, und malte – oder genauer gesagt: Ich fuhr den Traktor
wiederholt vor und zurück über eine 50 Meter lange Leinwand. Die Oberfläche
wurde durch Farbe markiert, die aus einer Reihe von Löchern in einem am Tank
befestigten Rohr floss – ähnlich wie Dünger, Herbizide oder Wasser. Diese Art
von Arbeit war mir vertraut: die präzise Kontrolle des Traktors, das ständige
Vor- und Zurückblicken, die Geduld und Aufmerksamkeit, die eine ansonsten
scheinbar einfache Tätigkeit erfordert. Als Teenager arbeitete ich auf
Bauernhöfen und verrichtete dort unterschiedliche Aufgaben. Traktorfahren war
mir vertraut: eine Art, draußen zu sein, eine tief im Körper und auf der Haut
verankerte Erinnerung.
Meine prozessorientierten Arbeiten sind von der Tradition der niederländischen
Landschaftsmalerei inspiriert. Anstatt die Landschaft darzustellen, versuche ich,
mich über die Erinnerung wieder mit ihr zu verbinden – eine Art Zeitkapsel, die
angesammelte Erfahrungen und Eindrücke in sich trägt.
Meine Gemälde sind großformatig und häufig geprägt von gesättigten Farben,
geometrischen Formen, repetitiven Mustern und der Faltung der Leinwand.
Durch diese Gefaltetheit lade ich die Betrachter:innen ein, über Zeit und Malerei
auf eine andere Weise nachzudenken. Eine Falte unterbricht die Flächigkeit und
schließt Volumen ein, sodass die Oberfläche des Gemäldes als formbar
verstanden wird – als etwas, das verpackt und wieder entfaltet werden kann und
sowohl im gespannten als auch im ungespannten Zustand existiert. Die Hin- und
Herbewegung des Traktors über die Länge der Leinwand – seine Spurführung –
war die erste in einer Reihe von Methoden, die ich entwickelte, um die Leinwand
ohne einen traditionellen Pinsel zu markieren.
Ich interessiere mich für die Möglichkeiten, wie Farbe durch nicht-traditionelle
Anwendungen Spuren, Einschreibungen und Gesten erzeugen kann. Mit
Werkzeugen wie Rückensprühern und Besen arbeite ich mit einer Vielzahl von
Instrumenten, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Ateliers. Ich verstehe
mein „Malen“ als einen Prozess der Ausführung konkreter Handlungen, der es
erlaubt, die Unwägbarkeiten der Farbe sichtbar werden zu lassen. Einige
Arbeiten entstehen im Freien, wobei auch das Wetter eine aktive Rolle spielt. Die
daraus resultierenden Leinwände legen den Prozess, die Werkzeuge, die
Materialien und den Akt der Bewegung selbst offen.
Unabhängig von den verwendeten Mitteln beruhen alle meine bisherigen
Arbeiten auf einer Aufmerksamkeit für den Prozess als etwas, das sich über die
Zeit entfaltet – als ein Verfahren, das die Ausführung spezifischer, oft repetitiver
Handlungen über die Leinwand hinweg umfasst. Während ich weiterhin innerhalb
der Tradition der bemalten Leinwand arbeite, bleibe ich dem Erkunden neuer
Wege verpflichtet, die Malerei über die Staffelei hinauszuführen.
2026, Basel CH
„Zwischen Fotografie und Malerei arbeite ich nicht auf eine eindeutige Zuordnung hin, sondern auf eine bewusste Verschiebung. Mich interessieren jene Zwischenräume, in denen ein Bild seine klare Identität verliert und beginnt, zwischen den Medien zu oszillieren. Fotografie wird dabei nicht als Dokument verstanden, sondern als Material – formbar, offen, transformierbar. Im Erkunden fotografischer Möglichkeiten suche ich nach dem Malerischen im Fotografischen. Bekanntes, Vorgefundenes oder scheinbar Festgelegtes löse ich auf, zerlege es in Licht, Fläche und Struktur und überführe es in einen neuen Zustand. Der fotografische Ursprung bleibt spürbar, doch er entzieht sich der Eindeutigkeit. Ich möchte nicht informieren, sondern involvieren. Meine Arbeiten verstehen sich als Einladung zur Wahrnehmung – als visuelle Räume, in denen Sehen zu einer inneren Bewegung wird. In diesem Prozess entsteht Bedeutung nicht durch Abbildung, sondern durch Erfahrung.“
Nadine Bitterli arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Gestaltung und Handwerk. Ihre Praxis ist prozessorientiert und materialbezogen. Ausgangspunkt sind häufig einfache Handlungen wie Zeichnen, Ordnen, Wiederholen oder Spinnen. Aus diesen elementaren Gesten entwickeln sich Arbeiten, die sich mit Zeit, Rhythmus und Verdichtung auseinandersetzen. Geprägt durch ihren Hintergrund in visueller Gestaltung bringt sie ein ausgeprägtes Bewusstsein für Struktur, Komposition und Form in ihre künstlerische Arbeit ein. Diese formale Klarheit wird jedoch bewusst geöffnet: Kontrollierte Systeme treffen auf intuitive, körperliche Prozesse. Es entstehen Spannungsfelder zwischen Ordnung und Auflösung, zwischen Planung und Zufall. In den letzten Jahren hat sie verstärkt handwerkliche Techniken in ihre Praxis integriert. Das Arbeiten mit Fasern, Fäden und textilen Prozessen erweitert ihre Auseinandersetzung mit Linie und Struktur in den Raum. Der Faden wird zur dreidimensionalen Zeichnung, Material zur Spur von Zeit. Auch Papier, serielle Anordnungen und fragmentarische Formate sind wiederkehrende Elemente ihrer Arbeit. Zentral ist nicht das perfekte Resultat, sondern der sichtbare Prozess. Wiederholung erzeugt Rhythmus, kleine Verschiebungen erzeugen Bedeutung. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Zeichnung, Objekt und installativen Setzungen und laden dazu ein, genau hinzusehen: auf Übergänge, Verdichtungen und leise Veränderungen. Ihre künstlerische Praxis versteht sich als forschend. Sie untersucht, wie Form entsteht – nicht als festgelegtes Ziel, sondern als Ergebnis von Aufmerksamkeit, Handlung und Dauer.
Daniela Beck ist bildende Künstlerin. Sie lebt und arbeitet in Basel. Ihre Bildsuche geht oft über die Bewegung und den gelenkten Zufall. Materialexperimente bewegen sich zwischen Zeichnung und Malerei. Mit ihren Assemblagen aus Textilem erörtert sie innere und äussere Räume. Der Körper bildet den Ausgangspunkt.
Ich arbeite an der Schnittstelle von Körper, Ornament und Macht. Meine Arbeiten bewegen sich zwischen Skulptur, Installation und Objekt. Sie entstehen aus einem Interesse an Form als Träger von Begehren, Projektion und Ordnung. Der Barock ist dabei ein wichtiger Bezugspunkt. Nicht als Stilzitat, sondern als Haltung: Übermaß, Verdrehung, Glanz, Oberfläche, theatralische Geste. Mich interessiert das Ornamentale ebenso wie das Bedrohliche. Viele meiner Formen oszillieren zwischen Waffe und Fetisch, zwischen Schutzobjekt und Angriffsfläche, zwischen Fantastik und Funktion. Sie können glänzen, locken, abweisen. Sie bleiben ambivalent. Ich arbeite mit Materialien wie Gummi, Keramik, Textilien oder beschichteten Oberflächen. Diese Stoffe besitzen eine körperliche Qualität. Sie erinnern an Haut, Membran oder Panzer. Sie sind weich und widerständig zugleich. In dieser Materialität liegt eine Spannung zwischen Intimität und Rüstung, zwischen Verletzlichkeit und Inszenierung. Ein wiederkehrendes Motiv ist das Phallische. Nicht als Symbol männlicher Potenz, sondern als kulturell stark codierte Form, die Macht, Ordnung und Richtung behauptet. Auffällig ist, dass es für dieses Zeichen kein sprachlich gleichwertiges weibliches Pendant gibt. Diese Asymmetrie interessiert mich. Meine Arbeiten reagieren darauf nicht mit Illustration, sondern mit Verschiebung. Formen kippen, verlieren ihre Eindeutigkeit, werden Ornament, Wucherung, Fragment oder Hülle. Mich reizt der Moment, in dem ein Objekt nicht mehr klar benennbar ist. Wenn es zwischen Fantasie und Funktion schwebt, zwischen Attraktion und Gefahr. In diesem Zwischenraum entstehen meine Arbeiten. Sie behaupten nichts, sie verführen, irritieren oder widersprechen. Bedeutung bleibt beweglich. Ich verstehe meine Praxis als formale und materielle Auseinandersetzung mit Machtstrukturen, die sich im Körperlichen einschreiben. Skulptur wird dabei zu einem Ort, an dem Glanz und Gewalt, Begehren und Abwehr gleichzeitig sichtbar werden können.
Lives and works in Taoyuan, Taiwan.
His practice spans installation, sculpture, drawing, performance, and video, with a sustained focus on delineating the boundaries and spatial landscapes, exploring the sensory interweaving between personal life experiences and the material world. His works often begin with bodily perception and close observation of textures, using shifts in scale to capture the interplay of presence and absence within space, as well as the tension and pull of boundaries. Through this, he constructs a resonant field in which emotion and material enter into dialogue.
Focusing on the intermediate zones within urban environments—those between the private and the public, and between the artificial and the natural—Yuya Suzuki extracts symbolic images through the process of drawing, based on the forms of “residues” generated by the interactions among urban metabolism, natural forces, and human consumption. Using these as the foundation of his own visual language, he employs various media—including sculpture, video, painting, and kinetic objects—to reconstruct the real world through mixed-media installations.
The attempt to rationalize dreams and their spaces leads me to map them. This begins the moment they occur and continues when they are narrated or written down to solidify their memory, reassigning and triangulating. I let myself be carried away by machines that transport me and by projections of myself with dreamlike faces, comparing possible stops in a world that is just beginning to be built with its own cities, its own sounds, its own images, and its own dreams. I think that dreams serve to reorganize memories, a healthy hallucination for studying the brain. They are the particles that make up our experience, and how this activity shapes consciousness and therefore generates rhythmic bodily movements. We sleep due to information overload. The essence of dreams is incongruity and discontinuity. The brain is doing something else with information while we sleep….. Its basic geometry leads me into its psychology as an element of interconnection of space within a dream, creating a bricolage of organic sets reflected in video installations that concretize these dreams in materiality, capable of deconstructing the boundaries between real space and psychological spatiality, through synoptic charts of ancient languages and peoples, reaching the very depths of our dreams as an orientation to topophy, which aspire to take on human value.
Amador e Jr. Segurança Patrimonial Ltda. [Amador and Jr. Patrimonial Security Ltd.], performative proposals developed by Antonio Gonzaga Amador and Jandir Jr., carried out in art institutions by the artists themselves dressed in security uniforms. The central problems arise from the relation between institutions like these and the people who work in their safeguards on a daily basis.