In meiner künstlerischen Praxis setze ich mich mit der Ästhetik der reduzierten Form in den Farben Schwarz und Weiss auseinander. Die Formen dieser Bildsprache leiten sich oft von der Natur ab. In meinen neusten Arbeiten entstehen serielle, organische schwarze Flächen auf weissem Grund. Anschliessend wird das Papier gefaltet, wodurch klare Linien entstehen, die einen Kontrast zur weichen Grundform bilden. Durch die Faltung verwandelt sich das Papier in räumliche Flächen, in denen sich der Lichtwechsel in unterschiedlichen Abstufungen auf den schwarzen Flächen spiegelt.
Joël Jan Gasser bewegt sich zwischen Kunst und Szenografie. Er versteht Räume als erzählerische Kompositionen, in denen Atmosphäre, Emotion und Wahrnehmung zusammenfinden. Dieses räumliche Denken prägt auch seine künstlerische Arbeit. Geschichten werden zu Bildern, Bilder werden zu Räumen. Beides inspiriert sich gegenseitig und schafft eine eigene visuelle Sprache. In seiner Arbeit verdichtet Gasser Eindrücke des Alltags zu neuen Bildwelten. Auf Papier und Leinwand entstehen vielschichtige Kompositionen mit Acryl, Tinte, Ölwachskreide, Farbstift und Filzstift. Seine Werke erkunden das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt, zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit, zwischen Innen und Aussen. Sie laden ein, sich in ihnen zu verlieren und neue Perspektiven zu entdecken.
Anina Grögers Bilder sind nicht Ergebnis eines vorgefassten Konzepts, sondern entstehen als work in progress. Weder die Farbe noch die daraus entstehenden Formationen sind im voraus festgelegt. Das Bild entwickelt sich in einem konzentrierten, langsamen Schaffensprozess, der bis zum Schluss offen für Veränderungen bleibt.
Die vermeintlich lockere, leichte und spontane Art des Farbauftrags ist tatsächlich einem Akt höchster Konzentration und intensiven Körpereinsatzes entsprungen. Sie vertreibt die Farben, ein Öl/ eitempera-Gemisch, ausschließlich mit der Hand, ein höchst unkonventioneller und zugleich sehr ursprünglicher Akt des Malens. Das heißt, sie bedient sich keiner Hilfsmittel, sondern malt im wahrsten Sinne „mit dem Körper“.
Mit den Handlungen an und mit meinem Körper, dem Einsatz meiner Stimme, aber auch der Inszenierung von Bildern und Stimmungen möchte ich Emotionen wachrufen. Gerade in den Live-Performances versuche ich meine körperliche Präsenz im Raum so stark werden zu lassen, dass sich ihr niemand entziehen kann, dass eine Übertragung auf das Publikum stattfindet. Wenn ich vor oder für eine Kamera agiere, kommen andere Parameter ins Spiel als bei einer Live-Situation: Die Aktion ist zur Kamera gerichtet, der Bildausschnitt ist suggestiv, nah und intim. Diese im Video gleichsam konservierten Performances re-inzeniere ich im Rahmen meiner Installationen in einer Art Aufführung vor dem Publikum. Die Maschinen (Video- oder Diaprojektoren etc.) und andere inszenatorische Elemente wie Objekte, Licht und Ton interagieren miteinander und erzeugen ebenfalls eine bestimmte Atmosphäre. Ein Themenkomplex durchläuft dabei manchmal mehrere Prozesse medialer Übersetzung. Durch diese Über-Setzung und Weiterschreibung soll ein Mehrwert im Sinne einer inhaltlichen und sensorischen Verschiebung erzeugt werden. Performance und Performativität als Praktiken des Erinnerns und der Gedächtnisbildung, kollektive Bilder von Weiblichkeit und leiblicher Verfasstheit, von Identität und gesellschaftlichen Topoi bilden die inhaltlichen Schwerpunkte. In ihren jüngsten Arbeiten richtet sie den Fokus verstärkt auf das Auditive, der Schichtung und Überlagerung von live Gesprochenem …In Verbindung mit der konsequenten Befragung dokumentarischer Codes und ihrer medialen Parameter entwickelt Grau Arbeiten,die auf eine zeitgemässe Auseinandersetzung mit der Gattung Performance, deren Traditionen und Theorien sowie gesellschaftliche Ausdrucks- und Verhaltensweisen Bezug nehmen. Irene Müller, SIKART
Gansners Arbeiten befassen sich mit dem Spannungsfeld zwischen dem «Ich» und dem «Anderen». Ihre Werke sind oft nicht nur körperlich, sondern auch emotional und psychologisch. Es dreht sich um Gegensätze wie Anziehung und Abstossung, Vertrautes und Fremdes, aber auch um Themen wie Fetischismus und um gesellschaftliche Normen, die den Körper definieren.
Ihre Grundlage bildet die Abjekt-Theorie von der Psychoanalytikerin Julia Kristeva, sie beschreibt das Abjekt als etwas, das uns irritiert, weil es die Grenzen des Subjekts und unserer kulturellen Ordnung bedroht. Es handelt sich um das, was als gefährlich, ekelhaft oder unrein gilt – alles, was in unserem Selbstverständnis nicht Platz hat. Gansners Werke fungieren als Spiegel, der diese Abjekte in den Vordergrund rückt und das Publikum herausfordert, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Wenn wir eine Ausstellung besuchen, erwarten wir immer etwas von den Kunstwerken – was aber, wenn die Kunstwerke etwas von uns erwarten?
In Gansners Arbeiten kommen diese Themen auf unterschiedliche Weise zur Sprache. Ihre Arbeit lädt die Betrachter ein, sich mit den Aspekten der Abjekte auseinanderzusetzen und die Komfortzone zu verlassen. Sie fordert uns dazu auf, das Ekelhafte, das Unerwünschte und das Verdrängte zu umarmen und zu akzeptieren, dass diese Elemente integrale Bestandteile der eigenen Identität sind. Gansners Kunst zeigt, dass das Abjekt nicht nur abgestossen werden sollte, sondern als eine Quelle für Erkenntnis und Verständnis dienen kann. In ihrer Auseinandersetzung bietet sie einen neuen Zugang zu Themen von Identität, Fremdheit und dem menschlichen Zustand.
DE
Text über das Atelier
Das Atelier Glaine Wolf liegt im Wolf-Quartier und wird aktuell von Tracey Nordemann, David Bregenzer und Joël Gasser genutzt. In einem hellen Industriebau mit rund 80 m², einer grossen Fensterfront und einem offenen L-förmigen Grundriss arbeiten wir in einem gemeinsamen Raum, der sowohl individuelle Praxis als auch kollektive Vorhaben ermöglicht.
Unser Atelier ist bewusst flexibel organisiert: Jede Person hat einen festen Bereich, der kontinuierliches Arbeiten und das Lagern von Material und Werkzeugen erlaubt.
Daneben gibt es gemeinsame Zonen, die wir je nach Bedarf umnutzen können, um zusammenzuarbeiten oder grössere Projekte umzusetzen.
Uns ist wichtig, dass dieser Raum ein Ort ist, an dem man Rücksicht nimmt, sich
gegenseitig inspiriert und unterstützt.
Inhaltlich treffen bei uns unterschiedliche Medien und Herangehensweisen
aufeinander: Malerei, Skulptur und Medienkunst. Wir schätzen die Zeit im Atelier als eine zentrale Quelle von Energie und Konzentration. Die gemeinsame Arbeitsumgebung schafft einen sicheren Rahmen, in dem wir uns ausdrücken, ausprobieren und experimentieren können, ohne den Druck, sofort „fertig“ sein zu müssen. Dadurch entsteht eine lebendige Mischung aus prozesshaftem Arbeiten und konkreten Setzungen, aus Austausch und Rückzug.
Hinweis zur Zugänglichkeit: Vor dem Lift ist eine Treppe zu bewältigen.
FR
L’atelier Glaine Wolf est situé dans le quartier Wolf et est actuellement utilisé par Tracey Nordemann, David Bregenzer et Joël Gasser. Dans un bâtiment industriel lumineux d’environ 80 m², doté d’une grande baie vitrée et d’un plan d’étage ouvert en forme de L, nous travaillons dans un espace commun qui permet à la fois la pratique individuelle et les projets collectifs.
Notre atelier est délibérément organisé de manière flexible : chaque personne dispose d’un espace fixe qui lui permet de travailler en continu et de stocker son matériel et ses outils.
Il existe également des zones communes que nous pouvons réutiliser selon nos besoins pour travailler ensemble ou réaliser des projets de plus grande envergure.
Il est important pour nous que cet espace soit un lieu où l’on se respecte, où l’on s’inspire et où l’on se soutient mutuellement.
Sur le plan du contenu, différents médias et approches se rencontrent chez nous
: peinture, sculpture et art médiatique. Nous apprécions le temps passé dans l’atelier comme une source centrale d’énergie et de concentration. L’environnement de travail commun crée un cadre sûr dans lequel nous pouvons nous exprimer, essayer et expérimenter sans la pression d’avoir à « terminer » immédiatement. Il en résulte un mélange vivant entre travail processuel et réalisations concrètes, entre échange et retraite.
Remarque concernant l’accessibilité : il faut monter un escalier avant d’accéder à l’ascenseur.
Das Atelier Gansner/Wiggli befindet sich im Hinterhof der Genossenschaft Turnerstrasse 30/32. Nebst drei Kunstateliers ist ein Klavierbauer, ein Möbelladen, ein Grafik- und ein Architekturbüro eingemietet. Seit zwei Jahren teilen Gansner/Wiggli das Atelier.
L’atelier Gansner/Wiggli se trouve dans la cour arrière de la coopérative Turnerstrasse 30/32. Outre trois ateliers d’artistes, il abrite un facteur de pianos, un magasin de meubles, un studio de graphisme et un cabinet d›architectes. Gansner/Wiggli partagent l’atelier depuis deux ans.
Präsentation
Das Atelier befindet sich in einer ehemaligen Schreinerei im Iselin-Quartier im Westen der Stadt Basel. Die Strassenzeile aus Reihenhäusern mit Hintergärten war Teil der Stadterweiterung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
In der Nähe von Westfeld und Kannenfeldplatz gelegen befindet sich das Atelier auch heute wieder in einer Zone städtischer Umwandlung.
Es ist ein Ort, dessen Charakter meiner Arbeit Ruhe, Konzentration und lichten Raum bietet.
Für Ateliers Ouverts 2026 habe ich zwei Künstlerinnen aus Basel eingeladen, um den Ort gemeinsam zu bespielen. Wir suchen eine Atmosphäre zu erreichen, ein Schweben zwischen Festschreibungen. «Welche Form wir der Ordnung auch geben, bleibt sie letztlich doch immer eine Illusion ….» (John Burnside, 2018)
Elana Gutmann brings together paintings and works on paper created in resonance with that which is not often noticed, seen or heard. In myriad forms, this latest body of the artist’s works considers touch, place, and scale as sensory points-of-entry to dream with, to contemplate, to imagine, and reimagine. Colors shimmer and cool, lingering and inviting suggestions of rivers, horizons, lush undergrowth, figure and form. They draw us in at close proximity and open from afar.
Elana Gutmann lives and works in Basel, and engages in project-based residencies and collaborations in a variety of countries and contexts. In concert with her work in the studio, Gutmann has been engaging in arts-in-social justice projects, primarily in Paris and New York, for over three decades. Her artworks are grounded in dialogue and a process of inquiry and discovery — a conversation with the work as it evolves. Inspired by her research into mycorrhizal networks, and exchanges with international scientists and ecologists, the artist’s latest body of work considers connectivity, imagination and flourishing in our relationships and interactions with all living things.