Gabriele Horndasch

Auszug einer Rede von Tanja Kleine-Quadflieg über das künstlerische Werk von Gabriele Horndasch anläßlich der Verleihung der FBZ Art Award 2025 Gabriele Horndasch ist eine Künstlerin, die mit offenen Augen durch die Welt geht! Schon immer und immer mehr. Sie arbeitet interdisziplinär und hat sich zu keinem Genre festgelegt. Die Dinge begegnen ihr und sie greift sie auf. Ihre Fundstücke inspirieren sie und daraus entstehen vielschichtigste Arbeiten. Aber niemals beliebig! Sie entwickelt Visionen aus den Dingen, die ihr begegnen und dazu sucht sie sich ein bedeutungsvolles Umfeld, versucht des Pudels Kern zu finden. Dabei ziehen sich immer Rote Fäden durch alles. Ein wichtiger roter Faden in ihrem Werk ist die Sprache, der sprachwissenschaftliche Ansatz. Das erscheint immer wieder, auch wenn sie näht. Wie gerade aktuell bei den ‘Buchstabenkleidern’, […] die sie auch bei einer Ausstellung in Japan in diesem Jahr gezeigt hat. Kleider aus zartester asiatischer transparenter Seide benäht mit Anagrammen, Sammelstücke aus jahrelanger Spracharbeit. Sie zerschneidet jede FAZ akribisch und bildet aus den immer wiedererkennbar geschwungenen Buchstaben ihre Anagramme. Eine Sammlung ist dabei entstanden. […] mit ausgedienten Leuchtstoffschriftzügen schafft sie neue Sprachwände. Setzt sie in einen neuen Zusamenhang und damit sprechen sie ganz klar und deutlich zu uns. An Betonwänden erscheinen Sie, finden eine neue vorübergehende Heimat und Bedeutung. […] Tanja Kleine-Quadflieg Bochum, 26. Juni 2025

Raphael Reichert

Reichert’s works originate from collected documentations of his immediate surroundings, primarily using digital means as a point of departure. These resulting set pieces are then softly reworked and placed within a broader social context. Immediacy and density are recurring strategies across his chosen media—whether in painting, video, or photography. He is less concerned with technical perfection and more focused on communicating the directness of his thoughts and concepts. His ideas emerge through the compression of vast collections into concentrated, layered forms. His videographic works often reference pop-cultural phenomena such as fitness challenges, travel vlogs, Instagram stories and other online trends, while also experimenting with documentary stylistic devices like talking heads, subtitles, and voice-over narration. Reichert’s work has been exhibited mainly nationally but has also been shown internationally in screenings and group shows, including shows at Kunsthaus Glarus and Kunst(zeug)haus (Rapperswil, CH) in 2021 and a duo show with Ivana Kvesić at Ausstellungsraum Klingental in 2020. In 2022, Reichert presented his first solo show with contributions by Leah Studinger, titled „Opt-in“ at Architektur Forum Ostschweiz (St.Gallen, CH), followed by a duo show with Leah Studinger at Hiltibold (St.Gallen, CH) and a solo show at Peripherie8 (Basel, CH) in 2023. He has received a work grant from the city of St.Gallen in 2020. In 2025, he presented a larger body of work in a duo show with Katherine Newton at Le ventre (Hégenheim, FR), curated by Maria Claudia Gamboa.  In 2026, Reichert will show his work in solo shows at Espace Formaline, Suhr, CH and at the Rhyality Immersive Art Hall in Neuhausen, CH as well as in two simultaneous solo presentations of his extensive video work reading the news, organized by Videokunst.ch at Videofenster Bienzgut, Bern, CH and Videofenster Houdini, Zürich, CH.

Veronika Geiger

Photography became part of my life at the age of 17, when I got an analogue camera from my Swiss grandfather. Since then, I’ve continued to build a relationship with photography in various ways. My experience with photography is shaped most strongly by my educational background in Fine Art Photography from Glasgow School of Art and continued to be my focus during my MA in Fine Art at Iceland University of the Arts. My own personal need for connecting with nature led me to travel with my camera extensively in remote landscapes. Nature being the fundamental premise for our life and at this point in time undergoing huge environmental changes, I became engaged in field work with scientists. All these new perspectives on nature, motivated me to search for a new visual language in landscape photography, which I am still working on. For me photography has become an extension of how I am in the world. I can think and breathe through photography. In many ways my experience with photography is similar to my experience of writing. Whether a visual or verbal starting point: an impression, a sentence, a chance encounter, a walk by the river.

Nadine Bitterli

Nadine Bitterli arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Gestaltung und Handwerk. Ihre Praxis ist prozessorientiert und materialbezogen. Ausgangspunkt sind häufig einfache Handlungen wie Zeichnen, Ordnen, Wiederholen oder Spinnen. Aus diesen elementaren Gesten entwickeln sich Arbeiten,  die sich mit Zeit, Rhythmus und Verdichtung auseinandersetzen.  Geprägt durch ihren Hintergrund in visueller Gestaltung bringt sie ein ausgeprägtes Bewusstsein  für Struktur, Komposition und Form in ihre künstlerische Arbeit ein. Diese formale Klarheit wird jedoch bewusst geöffnet: Kontrollierte Systeme treffen auf intuitive, körperliche Prozesse. Es entstehen Spannungsfelder zwischen Ordnung und Auflösung, zwischen Planung und Zufall.  In den letzten Jahren hat sie verstärkt handwerkliche Techniken in ihre Praxis integriert. Das Arbeiten mit Fasern, Fäden und textilen Prozessen erweitert ihre Auseinandersetzung mit Linie und Struktur  in den Raum. Der Faden wird zur dreidimensionalen Zeichnung, Material zur Spur von Zeit. Auch Papier, serielle Anordnungen und fragmentarische Formate sind wiederkehrende Elemente ihrer Arbeit.  Zentral ist nicht das perfekte Resultat, sondern der sichtbare Prozess. Wiederholung erzeugt Rhythmus, kleine Verschiebungen erzeugen Bedeutung. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Zeichnung,  Objekt und installativen Setzungen und laden dazu ein, genau hinzusehen: auf Übergänge, Verdichtungen und leise Veränderungen.  Ihre künstlerische Praxis versteht sich als forschend. Sie untersucht, wie Form entsteht – nicht als festgelegtes Ziel, sondern als Ergebnis von Aufmerksamkeit, Handlung und Dauer.

Iván Cáceres

The attempt to rationalize dreams and their spaces leads me to map them. This begins the moment they occur and continues when they are narrated or written down to solidify their memory, reassigning and triangulating. I let myself be carried away by machines that transport me and by projections of myself with dreamlike faces, comparing possible stops in a world that is just beginning to be built with its own cities, its own sounds, its own images, and its own dreams. I think that dreams serve to reorganize memories, a healthy hallucination for studying the brain. They are the particles that make up our experience, and how this activity shapes consciousness and therefore generates rhythmic bodily movements. We sleep due to information overload. The essence of dreams is incongruity and discontinuity. The brain is doing something else with information while we sleep….. Its basic geometry leads me into its psychology as an element of interconnection of space within a dream, creating a bricolage of organic sets reflected in video installations that concretize these dreams in materiality, capable of deconstructing the boundaries between real space and psychological spatiality, through synoptic charts of ancient languages and peoples, reaching the very depths of our dreams as an orientation to topophy, which aspire to take on human value.

Stephanie Creaghan

Stephanie E. Creaghan is a video artist and filmmaker who makes work about how violence presents itself in communication. Their first solo exhibition in New York, ‘That Guy,’ took place in Fall 2025 at D.D.D.D. They have exhibited and performed in Montreal, Quebec City, Toronto, Chicago, New York, Los Angeles, Paris, Singapore, and Prague, and completed international residencies in Paris, France, Stolpe/Oder, Germany, New York, USA, and Wexford, Ireland, as well as at the Centre for Expanded Poetics in Montreal. Their work is in the Vtape collection, and they were commissioned to do a temporary public sculpture by the City of Outremont in 2022.

Nicole Schmölzer

Nicole Schmölzer 

Meine Arbeitsweise mit Tusche und Ölfarbe auf Leinwand drückt sich durch einen organisch-natürlichen Prozess aus. Im Atelier wachsen meine Bilder mittels vieler Schichten, die durch das Fliessens und Eintrocknens von Farbe im Dialog mit meinen Eingriffen entstehen. Ich setze beispielsweise mit (stark verdünnter) flüssiger Farbe eine erste Fläche, die ich während ihrer langen Trocknungszeit weiterhin bewegen und modulieren kann. Über die nächsten Schritte und Schichten entstehen durch eine wässrige Tuscheschicht feine, organische Formen oder Linienstrukturen, die sich mit feingliedrigen Farbflächen abwechseln. Im Dialog mit dem jeweils Entstandenem und den weiteren Schichten entwickle ich Bildkompositionen, die von luftig-leicht bis kompakt-dicht variieren können.

Das vermeintlich Sichtbare und die derart definierte gegenständliche Welt scheinen mir vielseitig „trügerisch“: nicht nur verändert sich das Sichtbare des uns Umgebenden zyklisch und evolutionär, es ist auch unserer jeweils eigenen Wahrnehmung zu verdanken, dass sie uns unterschiedliche Aspekte des Sichtbaren eröffnet. Wir bewegen uns in Realitäten, die zuvor keine waren und bald überholt sein werden, dem sichtbar Gewohnten unterlegen, oft, ohne uns dem Unerschlossenen, gar Unerschliessbarem hinzugeben. Es ist die Vorstellungswelt, die uns prägt. Ich benutze die malerischen Mittel – Farbe, Farbträger, Farbmedium, Materialität und Werkzeug –, das Handfeste, mit welchen ich in das erst noch zu Entstehende vorstossen kann.

Malerei führt mich in diese Richtung des noch-zu-Entstehendem, wenn ich das Unfassbare – jedoch Reelle – verfolge, einfange und forme: eine Vielschichtigkeit von Sensibilitäten und Wahrnehmungen, die ihre eigene Präsenz einfordert, Gelegenheit für Wechselwirkungen schafft und auf etwas hindeutet, das ausserhalb eines bestimmbaren Ortes und einer definierbaren Zeit liegt.

Ich bin mit der Malerei auf der Suche nach einer Annäherung an dieses nicht unbedingt sichtbar Reelle und an dessen Darstellungsmöglichkeiten. Ich bin den Beweggründen der Abstraktion auf die Spur gegangen, und dem inneren Antrieb, einem Lebensrhythmus, einer Bewegung, einer Energie gefolgt, welche den Gezeiten und dem menschlichen Werden unterliegen. Dies in Malerei zu übertragen, das Fliessen darzustellen und auch zu verkörpern, die sanfte Bewegung der Veränderlichkeit festzuhalten, den Blick einzupendeln auf ein Dazwischen wird für mich als Malerin aber auch als Beobachterin zum Bildinhalt.

Till Langschied

Till Langschied ist ein bildender Künstler, Autor und GIF-Enthusiast. Seine künstlerische Praxis konzentriert sich auf den Zusammenbruch von Signifikatensystemen in einem von Technologie und Netzwerken geprägten Zeitalter.

In seiner interessiert er sich dafür, wie unsere meist digitalisierte Realität Spuren am menschlichen Körper und Bewusstsein hinterlässt. Wie kann unsere Psyche mit dem übersättigten Moment eines sich ständig erweiternden “now” umgehen? Irgendwo zwischen der attention economy und den self-care Apps geschieht etwas mit unserer Spezies, und Till versucht, dieses Gefühl der Entfremdung von der Realität nachzuzeichnen in unserer Zeit, in der alles hypervernetzt ist.

Neben bildnerischen Arbeit beschäftigt sich Till mit Text. Er gründete 2023 das queere Schreibkollektiv Q.U.I.C.H.E., das jüngst den Recherchebeitrag Basel-Stadt gewann.

Er wurde 2020 zur Lago Mio Residency in Lugano eingeladen und erhielt 2021 einen Residenzaufenthalt von Pro Helvetia Shanghai und von der Fundaziun Nairs. Im Jahr 2024 war er für eine Residency mit Radio28 in Mexiko-Stadt und wurde für 2025 mit dem Atelier Mondial Stipendium für die Cité internationale des Arts in Paris ausgezeichnet.

Tatjana Erpen

Tatjana Erpen ist bildende Künstlerin und arbeitet mit den Medien Video, Druck und Animation. Ihre künstlerische Praxis basiert auf der Recherche und Reflexion gesellschaftlicher Verhältnisse und weitreichenden, meist ökonomischen Zusammenhängen.

Kapitalistische Strukturen und bestehende Systeme befragt sie durch unkonventionelle Objekte, deren Erscheinungsbild und Verwendung. Als greifbares Trägermaterial bilden Objekte lokale Archive, sie erzählen vom Willen zu Schaffen und vom Potenzial zum Handeln.

 

Tatjana Erpen verknüpft verschiedene Mikrogeschichten, hinterfragt Machtverhältnisse und schafft Raum für vielfältige Perspektiven.
Zugänge zu Themenfeldern wie Selbstermächtigung, Konsum oder Privilegien schafft sie in raumgreifenden Installationen.
Sie hinterfragt die Gewissheiten der Gegenwart und erweitert die Wahrnehmung durch Nebengeschichten, Möglichkeitsräume und alternative Strategien.