Svenja Gansner

Gansners Arbeiten befassen sich mit dem Spannungsfeld zwischen dem «Ich» und dem «Anderen». Ihre Werke sind oft nicht nur körperlich, sondern auch emotional und psychologisch. Es dreht sich um Gegensätze wie Anziehung und Abstossung, Vertrautes und Fremdes, aber auch um Themen wie Fetischismus und um gesellschaftliche Normen, die den Körper definieren. 

Ihre Grundlage bildet die Abjekt-Theorie von der Psychoanalytikerin Julia Kristeva, sie beschreibt das Abjekt als etwas, das uns irritiert, weil es die Grenzen des Subjekts und unserer kulturellen Ordnung bedroht. Es handelt sich um das, was als gefährlich, ekelhaft oder unrein gilt – alles, was in unserem Selbstverständnis nicht Platz hat. Gansners Werke fungieren als Spiegel, der diese Abjekte in den Vordergrund rückt und das Publikum herausfordert, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Wenn wir eine Ausstellung besuchen, erwarten wir immer etwas von den Kunstwerken – was aber, wenn die Kunstwerke etwas von uns erwarten?

In Gansners Arbeiten kommen diese Themen auf unterschiedliche Weise zur Sprache. Ihre Arbeit lädt die Betrachter ein, sich mit den Aspekten der Abjekte auseinanderzusetzen und die Komfortzone zu verlassen. Sie fordert uns dazu auf, das Ekelhafte, das Unerwünschte und das Verdrängte zu umarmen und zu akzeptieren, dass diese Elemente integrale Bestandteile der eigenen Identität sind. Gansners Kunst zeigt, dass das Abjekt nicht nur abgestossen werden sollte, sondern als eine Quelle für Erkenntnis und Verständnis dienen kann. In ihrer Auseinandersetzung bietet sie einen neuen Zugang zu Themen von Identität, Fremdheit und dem menschlichen Zustand.

Christiane Maier Reinhard

Christiane Maier Reinhard: Aktuell entwickelt sich meine Arbeit in drei Werkgruppen.  (1) Die «Konstellationen» sind Arbeiten auf Glasvlies, Gruppierungen von Einzelelementen. Über ein Raster organisiert ermöglichen sie wand-raumbezogene Installationen.  Auf dem Glasvlies  amorph ausfliessende Tusche steht im Kontrast zur klaren Kontur der geschnittenen Flächen. Ihre Anmutung changiert zwischen rein geometrischer Form, Naturfragment und Körperlichkeit.

(2) Tuschzeichnungen auf Washipapieren folgen Naturbeobachtungen und fügen sie in ein Gewebe aus gedruckten Strukturen ein. «Stoff aus vielen Jahren» als Titel dieser Werkgruppe spielt neben der Materialität (Stoff, Gewebe, Teppich) auch auf Immaterialität an, den Stoff einer Narration, das Diskursgewebe, in dem ein Naturverhältnis erzählt wird. (3) Die dritte Werkgruppe – « Nicht alles lässt sich erklären» – ist die Temperamalerei. Als Aktion in selbstvergessener Präsenz scheint sie eine zur Zeichnung und den Konstellationen konträre Praktik. Sie ist der Versuch, den Grenzziehungen – den Kategorisierungen – zu entgleiten, in die wir unvermeidbar eingebunden sind. Die drei Werkgruppen stehen im Dialog und bilden einen Resonanzraum für das, was ich als «Darin-Sein in Existenz» zu befragen meine.

Tjefa Wegener

Meine fotografische Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Porträt und Fine Art. Im Zentrum steht der Mensch mit seiner Wahrhaftigkeit. Der ungeschönte Körper und die Natur werden dabei zum künstlerischen Spiegel für Achtsamkeit, Natürlichkeit und neue Sehgewohnheiten.

Ein Schwerpunkt meiner Arbeit ist die fotografische Auseinandersetzung mit der Vielfalt und Einzigartigkeit von Vulven. Mit meinen geschmückten Vulvaporträts schaffe ich einen geschützten Raum, in dem Menschen ihre Vulva seitenrichtig und in Ruhe betrachten können. Die bewusste Verwendung der korrekten Bezeichnung ist mir ebenso wichtig wie die Sichtbarkeit. Durch das Schmücken und Fotografieren entsteht ein intimes Porträt, das den eigenen Körper würdigt und als eigenständiges Kunstwerk erfahrbar macht.

In meinen Frauenkreisen, die ich mehrmals im Jahr organisiere, lade ich Menschen mit Vulva ein, das Nacktsein in der Natur neu zu erleben – jenseits von Scham, Schönheitsnormen und Sexualisierung. Wir alle werden ohne Körperscham geboren. Im Laufe unseres Lebens lernen viele von uns, den eigenen Körper kritisch zu betrachten. In meinen Kreisen darf dieser Blick weicher werden.

Ich begleite die Gruppen prozessorientiert und greife nur wenig ins Geschehen ein. Es entsteht, was sich im Moment zeigt. Mit meiner Kamera halte ich Begegnungen fest, ohne zu inszenieren. Die Natur wird zum urteilsfreien Raum, in dem Körper verschiedenster Generationen sichtbar werden – von 1 bis 75 Jahren. Falten, Narben, Asymmetrien, graue Haare und Weichheit erzählen vom Leben, vom Altern, vom Überleben.

In einer Zeit, in der wir täglich optimierten und digital retuschierten Körpern begegnen, setze ich mit meiner Arbeit reale Bilder entgegen. Ich möchte Körpernormen auflösen und einen Beitrag dazu leisten, dass wir beginnen, uns selbst mit mehr Wohlwollen betrachten. Wenn wir andere in ihrer rohen Schönheit sehen, kann sich auch der Blick auf den eigenen Körper verändern.

Meine Arbeiten sind eine Einladung zur Selbstbegegnung – leise, unaufgeregt und respektvoll. Sie eröffnen Räume, in denen Verletzlichkeit sichtbar werden darf und aus Sichtbarkeit Stärke entsteht.

Nika Timashkova

Nika Timashkova (*1989 in Saporischschja, Ukraine) ist eine Multimedia-Künstlerin und Forscherin aus Basel. Sie hat einen BA in französischer Literatur und Linguistik sowie osteuropäischen Kulturen von der Universität Basel und einen Master in Art Practice vom Dutch Art Institute (DAI) in Arnheim, Niederlande.

Emmanuel Joan Ramon Pidré Starosta (1989), auch bekannt als Emma Pidré, ist ein argentinisch-spanischer Künstler, geboren in Buenos Aires, Argentinien, und lebt und arbeitet derzeit in Basel. Er hat ein Diplom in Bildender Kunst von der Weißensee Kunsthochschule Berlin sowie einen MA vom Institut Art Gender Nature / FHNW Basel.

Brenda Dell’Anna (2002, in Basel) ist eine italo-schweizerische Künstlerin, die in Basel und Moutier lebt. Sie hat kürzlich ihren Bachelor in Fine Arts am Institut Art Gender Nature der HGK Basel FHNW abgeschlossen.

Mirjam Spoolder wurde in den Niederlanden geboren und lebt seit 2007 in Basel, Schweiz. Sie studierte Bildhauerei an der Kunstakademie AKI/ARTEZ in Enschede und Bühnenmanagement am Rotterdamer Centrum für Theater (RCTH), beide in den Niederlanden. 2010 schloss sie ihr Masterstudium der Bildenden Kunst mit Schwerpunkt Performance Kunst an der Hochschule für Gestaltung und Kunst HGK/FHNW in Basel ab.

Simon Krebs

Simon Krebs arbeitet mit Fotografie, Film, Animation, Zeichnung und Musik.

 

Er produziert Ausstellungen, Filme, Musikvideos, Bücher und kooperiert gerne mit Musiker:innen, Autor:innen oder Mode-Designer:innen. Seine Arbeit zeichnet sich durch ein starkes Interesse für Menschen oder deren Fehlen, des Menschen Umgebung und Tätigkeit aus. Scheinbar alltägliches offenbart in Krebs’ Arbeit eine eigentümliche Magie oder ein humorvolles Gruseln.

Ana Vujic

Ich bin eine Zeichnerin.

Mit meinen Architektur- und Menschendarstellungen eröffne ich Räume. Lebensgrosse Figuren begegnen uns auf Augenhöhe.

Sie zeigen gesellschaftliche Machtstrukturen und Konventionen aus einer subjektiven Perspektive.

Persönliche und soziale Identitäten sind ineinander verwobene Konstrukte. Als Frau, Mutter und Migrantin entflechte ich diese.

Ambivalenz und Widersprüche prägen die ständigen Verhandlungen unseres alltäglichen Lebens.

Die Zeichnungen symbolisieren die Hindernisse und Herausforderungen, die sich aus gesellschaftlichen oder selbstgestellten Erwartungen und Idealen stellen.

Meine Protagonist:innen bewegen sich in surrealen Kulissen, die zum Umbruch aufrufen.

Und doch sind die Bilder Haltestellen einer erdachten, ansatzweise erlebten und stets nie zu Ende erzählten Geschichte.

Meine Zeit rennt in unterschiedliche Richtungen.

Vergangenheit, Traum und utopische Vorstellungen sind stets ineinander verwobene Knotenpunkte.

Zeichnerisch trifft Präzision auf Abstraktion.

Weisse Leerstellen sind Platzhalter für das Ungeschriebene und das noch Ungewisse.

Nadine Cueni

Multimediakünstlerin, deren allgemeine Ideen sich um die Beziehung zwischen persönlichen und

kollektiven Erinnerungen drehen. Mit ihrem Hintergrund als Biologin ist Cueni nicht nur wissenschaftlich an der Natur interessiert, sondern untersucht auch die Gesellschaft anhand ihrer Interaktion mit der Natur und hinterfragt das Verhalten gegenüber dem Anderssein in einem

grösseren Rahmen. Ihre Arbeit ist vielschichtig und vermischt Aspekte der Dokumentation, der

wissenschaftlichen Forschung und der persönlichen Wahrnehmung – mit einem leichten Hauch

von surrealer Fiktion und Humor.

Marianela Leon Ruiz

Danse-performance et arts visuels

 

Mon materiel du travail principal c’est le corps. C’est le corps que nous voyons, celui qui accompli des actions, et celui dans lequel notre esprit opère mystérieusement.

 

Mon travail de danse-performance est une exploration au sein de ce milieu. Et la performance en direct devenant le moment crucial d’échange entre les corps. Au-delà de ce que nous savons.

Même en dehors des objectives et des intentions de l’artiste.

Cette ouverture comporte un risque, mais elle est fondamental pour entrer dans le réel.

Bien que je réalise beaucoup de vidéos, c’est lors des action en direct que on parvient les plus souvent à ouvrir ce fossé.

 

D’un autre côté, je suis pleinement intéressée à la transmission. C’est pourquoi je donne des cours où l’on développe la conscience corporelle et l’usage créatif du mouvement ainsi que la perception en action. Ce sont en vraie des ouvres d’art collectives, des ouvres de vie en action artistique.

 

Ma formation initial est en arts visuels. J’ai étudié les beaux-arts en Espagne. Je n’ai jamais abandonné les arts visuels, que ce soit le dessin, la peinture ou le modelage. Il y a des occasions où c’est ça qui pousse.