Nadine Bitterli

Nadine Bitterli arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Gestaltung und Handwerk. Ihre Praxis ist prozessorientiert und materialbezogen. Ausgangspunkt sind häufig einfache Handlungen wie Zeichnen, Ordnen, Wiederholen oder Spinnen. Aus diesen elementaren Gesten entwickeln sich Arbeiten,  die sich mit Zeit, Rhythmus und Verdichtung auseinandersetzen.  Geprägt durch ihren Hintergrund in visueller Gestaltung bringt sie ein ausgeprägtes Bewusstsein  für Struktur, Komposition und Form in ihre künstlerische Arbeit ein. Diese formale Klarheit wird jedoch bewusst geöffnet: Kontrollierte Systeme treffen auf intuitive, körperliche Prozesse. Es entstehen Spannungsfelder zwischen Ordnung und Auflösung, zwischen Planung und Zufall.  In den letzten Jahren hat sie verstärkt handwerkliche Techniken in ihre Praxis integriert. Das Arbeiten mit Fasern, Fäden und textilen Prozessen erweitert ihre Auseinandersetzung mit Linie und Struktur  in den Raum. Der Faden wird zur dreidimensionalen Zeichnung, Material zur Spur von Zeit. Auch Papier, serielle Anordnungen und fragmentarische Formate sind wiederkehrende Elemente ihrer Arbeit.  Zentral ist nicht das perfekte Resultat, sondern der sichtbare Prozess. Wiederholung erzeugt Rhythmus, kleine Verschiebungen erzeugen Bedeutung. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Zeichnung,  Objekt und installativen Setzungen und laden dazu ein, genau hinzusehen: auf Übergänge, Verdichtungen und leise Veränderungen.  Ihre künstlerische Praxis versteht sich als forschend. Sie untersucht, wie Form entsteht – nicht als festgelegtes Ziel, sondern als Ergebnis von Aufmerksamkeit, Handlung und Dauer.

Daniel Beck

Daniela Beck ist bildende Künstlerin. Sie lebt und arbeitet in Basel. Ihre Bildsuche geht oft über die Bewegung und den gelenkten Zufall. Materialexperimente bewegen sich zwischen Zeichnung und Malerei. Mit ihren Assemblagen aus Textilem erörtert sie innere und äussere Räume. Der Körper bildet den Ausgangspunkt.

Nicole Schmölzer

Nicole Schmölzer 

Meine Arbeitsweise mit Tusche und Ölfarbe auf Leinwand drückt sich durch einen organisch-natürlichen Prozess aus. Im Atelier wachsen meine Bilder mittels vieler Schichten, die durch das Fliessens und Eintrocknens von Farbe im Dialog mit meinen Eingriffen entstehen. Ich setze beispielsweise mit (stark verdünnter) flüssiger Farbe eine erste Fläche, die ich während ihrer langen Trocknungszeit weiterhin bewegen und modulieren kann. Über die nächsten Schritte und Schichten entstehen durch eine wässrige Tuscheschicht feine, organische Formen oder Linienstrukturen, die sich mit feingliedrigen Farbflächen abwechseln. Im Dialog mit dem jeweils Entstandenem und den weiteren Schichten entwickle ich Bildkompositionen, die von luftig-leicht bis kompakt-dicht variieren können.

Das vermeintlich Sichtbare und die derart definierte gegenständliche Welt scheinen mir vielseitig „trügerisch“: nicht nur verändert sich das Sichtbare des uns Umgebenden zyklisch und evolutionär, es ist auch unserer jeweils eigenen Wahrnehmung zu verdanken, dass sie uns unterschiedliche Aspekte des Sichtbaren eröffnet. Wir bewegen uns in Realitäten, die zuvor keine waren und bald überholt sein werden, dem sichtbar Gewohnten unterlegen, oft, ohne uns dem Unerschlossenen, gar Unerschliessbarem hinzugeben. Es ist die Vorstellungswelt, die uns prägt. Ich benutze die malerischen Mittel – Farbe, Farbträger, Farbmedium, Materialität und Werkzeug –, das Handfeste, mit welchen ich in das erst noch zu Entstehende vorstossen kann.

Malerei führt mich in diese Richtung des noch-zu-Entstehendem, wenn ich das Unfassbare – jedoch Reelle – verfolge, einfange und forme: eine Vielschichtigkeit von Sensibilitäten und Wahrnehmungen, die ihre eigene Präsenz einfordert, Gelegenheit für Wechselwirkungen schafft und auf etwas hindeutet, das ausserhalb eines bestimmbaren Ortes und einer definierbaren Zeit liegt.

Ich bin mit der Malerei auf der Suche nach einer Annäherung an dieses nicht unbedingt sichtbar Reelle und an dessen Darstellungsmöglichkeiten. Ich bin den Beweggründen der Abstraktion auf die Spur gegangen, und dem inneren Antrieb, einem Lebensrhythmus, einer Bewegung, einer Energie gefolgt, welche den Gezeiten und dem menschlichen Werden unterliegen. Dies in Malerei zu übertragen, das Fliessen darzustellen und auch zu verkörpern, die sanfte Bewegung der Veränderlichkeit festzuhalten, den Blick einzupendeln auf ein Dazwischen wird für mich als Malerin aber auch als Beobachterin zum Bildinhalt.

Benjamin Richli

In meiner künstlerischen Praxis beschäftige ich mich gerne mit verschiedenen Themen, wobei der Mensch stets im Zentrum meiner Auseinandersetzung steht. Eine klare Einordnung meiner Arbeiten ist für mich herausfordernd, da sie sowohl Elemente der gegenständlichen Malerei als auch abstrakte Darstellungen integriert. Diese Bewegung zwischen den Polen der Figuration und Abstraktion ist für mich von großer Bedeutung und stellt einen essentiellen Akt meiner künstlerischen Praxis dar. Ein weiteres charakteristisches Merkmal meiner Arbeit ist der kreative Einsatz eines vielfältigen Materialmixes. Experimentieren mit verschiedensten Oberflächen, die als Malgründe dienen, ist ein zentraler Bestandteil meines Schaffens. Ich arbeite mit Materialien wie Zeitungen, Verpackungen, Karton, Etiketten und Plastiksäcken, um imaginäre Räume zu erschaffen. Diese Materialien werden durch unterschiedliche Maltechniken verändert und erhalten so neue Ausdrucksformen. In meinen letzten Werkserien sind großformatige Bilder entstanden, die durch breite Pinselstriche, insbesondere mit Tusche und Hake-Pinseln, gekennzeichnet sind. Diese Striche treten in einen inneren Dialog; sie ergänzen sich, stoßen sich ab und verstärken einander. Das Spiel mit diesen breiten Linien empfinde ich als eine freudvolle und meditative Form des kreativen Schaffens. Inspiriert von meinen wiederholten Begegnungen mit Hirschkäfern habe ich eine Serie kreiert, in der diese Tiere in verschiedenen Posen in surrealen Landschaften dargestellt werden. Mein Anliegen ist es, verborgene Aspekte sichtbar zu machen und den Betrachtern eine neue, möglicherweise ungewohnte Perspektive zu bieten. Dadurch möchte ich unterschiedliche Interpretationsansätze der Bilder anregen und das Erlebnis der Betrachtung bereichern.

Daniel Schoch

Meine Bilder krachen zwischen Stuhl und Bank zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Das birgt eine gewisse gewisses Risiko. Mein momentanes Interesse an den Ikonen der Jetztzeit tut dies ebenso.

Christian Schoch

Ich untersuche die Beziehung von Farbe zu Form und einer konventionalisierten oder individuellen Konnotation unter Einbezug grösstmöglicher Freiheit in der Ausgestaltung meiner Arbeit.  Dabei lässt sich deren Entwicklung in drei grössere Etappen gliedern. Den Ausbruch aus dem rechteckigen Bildformat, die Loslösung von der reinen Fläche hin zu Reliefs oder Objekten und schliesslich die Verwendung eines Vokabulars von Formen, welche aus der Bewegung beim Giessen entstehen. Dabei interessiert mich immer schon die Auslassung eines Hintergrunds. Da ich nicht figurativ arbeite, leite ich die Betrachter*Innen durch die Farbgebung und die räumliche Zusammenstellung der einzelnen Bildelemente in eine Situation, welche sie ermutigt, selbst eine Interpretation des Gesehenen zu bilden. Dabei ist mir die Essenz der Stimmung und der Atmosphäre wichtig, die eine Arbeit auslösen kann. Ich verwende daher immer stärker nicht eindeutig artikulierte Formen, welche mir die Möglichkeit geben, die Zuweisung des Erkennbaren in der Schwebe zu halten. Die Richtung der Entwicklung meiner Arbeit geht dabei in die „Schwerelosigkeit“ – als Zusammentreffen einzelner Bildelemente, die als Ganzes das assoziative Gedächtnis anregen. Die Ausgangslage für eine Arbeit formuliert sich dabei oft durch Gedankengänge, Wortbildungen oder Beschreibungen abstrakter Zusammenhänge – aber auch Bilder aus der Natur und dabei entstehende Konnotationen.  ich will also nicht eine nachvollziehbare Geschichte erzählen oder illustrieren, sondern eine Stimmung und einen Anreiz für Gedankengänge erzeugen – dabei bemerke ich eine Nähe meiner Arbeiten zu Psychogrammen, denn da keine bestimmte Richtung für eine assoziative Rezeption beabsichtigt ist, verstärkt sich der Ausdruck meiner eigenen Vorstellungen.

David Bregenzer

In seiner künstlerischen Praxis bedient sich David Bregenzer verschiedener Medien, Techniken und Formaten, oftmals an der Schnittstelle zwischen bildender Kunst und Musik.
2018 riefen David Bregenzer, Samuel Rauber und Jonas Weber «Boyband CHIC» ins Leben – ein Kunstkollektiv, welches sich inhaltlich unter anderem mit den Mechanismen der Populärkultur und Popmusik auseinandersetzte und diese im Rahmen von Video-Performances hinterfragte. 2023 entwickelten David Bregenzer und Samuel Rauber die «Boyband CHIC» zum Kunstkollektiv
«Nostal Chic» weiter.
2024 erarbeitete Nostal Chic die multimediale Werkgruppe «Swiss Flex», die im September 2024 im Kunstraum «KOMMET» in Lyon (FR) als Einzelausstellung erstmals präsentiert wurde. Für dieses Ausstellungsprojekt wurde die videobasierte Arbeitsweise des Vorgänger-Kollektivs «Boyband CHIC» unter anderem mit freistehenden Plastiken und Reliefs erweitert. Losgelöst von
der Zweidimensionalität des Bildschirms wirft Nostal Chic einen humorvollen Blick auf den gestalterischen Umgang mit unserer simulierten Umwelt und auf unsere Suche nach Geborgenheit.
Seit 2012 experimentiert er mit Formen der Audiovisuellen Performance und hat zahlreiche Performances vor Publikum aufgeführt. Daneben beschäftigt er sich auch mit Malerei und Keramik.

marsie

In unserer  Praxis fungiert Degrowth als politische und künstlerische Haltung gegen die Regime der Produktivität, Effizienz und des kontinuierlichen Wachstums, die das heutige Leben prägen. Es widersetzt sich der Forderung, Leistung zu erbringen, zu produzieren und sichtbar zu bleiben, und hinterfragt die Beschleunigungslogik des Spätkapitalismus, der Unterhaltungswirtschaft und der Konsumkultur. Wir arbeiten mit Reduktion, Langsamkeit und bewusster Nicht-Produktion als Formen des Widerstands. Das Schaffen von Situationen der Pause, der Aussetzung oder minimaler Handlung eröffnet Räume, in denen Zeit zurückgewonnen, geteilt und gemeinsam außerhalb der vorherrschenden Ökonomien der Aufmerksamkeit und Leistung erlebt werden kann. Unsere Kunst schleicht sich in den Alltag hinein, verdeckt, verspielt oder transformiert Gesellschaftsstrukturen. Wir hissen Fahnen, verteilen Stickers, hängen Flugblätter auf, Performen die Performance, machen Radio, Interviews im Bus, Kunst für alle, Gründen ein Hotel im Untergrund, stellen Pässe aus, sammeln Zutaten für einen Kuchen, unternehmen Nachtspaziergänge und tun Nichts.  „Nichts tun” ist kein Rückzug, sondern eine kritische und demokratische Praxis. Es unterbricht normative Erwartungen an Nützlichkeit und legt die ideologischen Strukturen hinter Produktivität und Leistung offen. Es ist der Prozess und die Menschen und Dinge, den Austausch und Beziehungen die in diesem stattfinden, welche schlussendlich das Kunstwerk ausmachen.

Hilde Hagmann-Brummer

Die Inspiration für mein Schaffen sind der Mensch und die Natur. Und ebenso die bewusste Wahrnehmung der Schönheit von Landschaften und Architektur.   In meiner Arbeit liebe ich das zeichnerisch-malerische, der reflexive oder auch spielerisch experimentelle Umgang mit Material, Motiven und Raumsituationen.  Zitat: «In den Bildern treibt Hilde Hagmann ein Spiel in vielerlei Hinsicht: Mit den Erwartungen und Einordnungen der Betrachterin oder des Betrachters, mit vielen Facetten von Illusion und Reflexion, mit der Spannung zwischen Vorstellungswelt und realem Raum».