Mariejon de Jong-Buijs

Vor fast einem Jahrzehnt saß ich auf einem Traktor, der mit einem kleinen Tank
ausgestattet war, und malte – oder genauer gesagt: Ich fuhr den Traktor
wiederholt vor und zurück über eine 50 Meter lange Leinwand. Die Oberfläche
wurde durch Farbe markiert, die aus einer Reihe von Löchern in einem am Tank
befestigten Rohr floss – ähnlich wie Dünger, Herbizide oder Wasser. Diese Art
von Arbeit war mir vertraut: die präzise Kontrolle des Traktors, das ständige
Vor- und Zurückblicken, die Geduld und Aufmerksamkeit, die eine ansonsten
scheinbar einfache Tätigkeit erfordert. Als Teenager arbeitete ich auf
Bauernhöfen und verrichtete dort unterschiedliche Aufgaben. Traktorfahren war
mir vertraut: eine Art, draußen zu sein, eine tief im Körper und auf der Haut
verankerte Erinnerung.
Meine prozessorientierten Arbeiten sind von der Tradition der niederländischen
Landschaftsmalerei inspiriert. Anstatt die Landschaft darzustellen, versuche ich,
mich über die Erinnerung wieder mit ihr zu verbinden – eine Art Zeitkapsel, die
angesammelte Erfahrungen und Eindrücke in sich trägt.
Meine Gemälde sind großformatig und häufig geprägt von gesättigten Farben,
geometrischen Formen, repetitiven Mustern und der Faltung der Leinwand.
Durch diese Gefaltetheit lade ich die Betrachter:innen ein, über Zeit und Malerei
auf eine andere Weise nachzudenken. Eine Falte unterbricht die Flächigkeit und
schließt Volumen ein, sodass die Oberfläche des Gemäldes als formbar
verstanden wird – als etwas, das verpackt und wieder entfaltet werden kann und
sowohl im gespannten als auch im ungespannten Zustand existiert. Die Hin- und
Herbewegung des Traktors über die Länge der Leinwand – seine Spurführung –
war die erste in einer Reihe von Methoden, die ich entwickelte, um die Leinwand
ohne einen traditionellen Pinsel zu markieren.
Ich interessiere mich für die Möglichkeiten, wie Farbe durch nicht-traditionelle
Anwendungen Spuren, Einschreibungen und Gesten erzeugen kann. Mit
Werkzeugen wie Rückensprühern und Besen arbeite ich mit einer Vielzahl von
Instrumenten, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Ateliers. Ich verstehe
mein „Malen“ als einen Prozess der Ausführung konkreter Handlungen, der es
erlaubt, die Unwägbarkeiten der Farbe sichtbar werden zu lassen. Einige
Arbeiten entstehen im Freien, wobei auch das Wetter eine aktive Rolle spielt. Die
daraus resultierenden Leinwände legen den Prozess, die Werkzeuge, die
Materialien und den Akt der Bewegung selbst offen.
Unabhängig von den verwendeten Mitteln beruhen alle meine bisherigen
Arbeiten auf einer Aufmerksamkeit für den Prozess als etwas, das sich über die
Zeit entfaltet – als ein Verfahren, das die Ausführung spezifischer, oft repetitiver
Handlungen über die Leinwand hinweg umfasst. Während ich weiterhin innerhalb
der Tradition der bemalten Leinwand arbeite, bleibe ich dem Erkunden neuer
Wege verpflichtet, die Malerei über die Staffelei hinauszuführen.
2026, Basel CH

Sibylle Laubscher

“We need art that shows us beauty, taking us by the hand like a friend.”

 

Sibylle Laubscher (CH/UK, *1971) is a painter and printmaker playing with light, form and movement from her studio in Switzerland, near Basel. She believes in the power of dreams and enchantments, feeling called to create new worlds containing wonder, joy and purpose. Worlds allowing the viewer to dream, offering hope in a time of crisis. 

Her work seeks to uncover the numinous and reveal beauty.  She believes in creating art that feels alive – inviting the viewer into a relationship, like an intimate conversation with a friend. Through her fascination with colour as light, form as space, movement as expression, and the spirit of play, her poetic-expressionist style opens a dialogue with anyone who engages with her work. 

 

Sibylle believes in the connection of reading, drawing and painting. She approaches her art as a means of self-expression, often finding refuge in the act of creation. Since studying textile design, her love of printmaking has reignited. She is convinced of the power of the handmade: “art is made by people for people”, she insists.  She believes art is vital to our wellbeing – a necessary form of human expression, and a life-sustaining force.   

 

Nature and practice of drawing are central to her artistic exploration, alongside a deep engagement with art philosophy, myth and fairy tale. Exploring themes such as womanhood and the environment, her work exudes an open and atmospheric quality.

Nicole Schmölzer

Nicole Schmölzer 

Meine Arbeitsweise mit Tusche und Ölfarbe auf Leinwand drückt sich durch einen organisch-natürlichen Prozess aus. Im Atelier wachsen meine Bilder mittels vieler Schichten, die durch das Fliessens und Eintrocknens von Farbe im Dialog mit meinen Eingriffen entstehen. Ich setze beispielsweise mit (stark verdünnter) flüssiger Farbe eine erste Fläche, die ich während ihrer langen Trocknungszeit weiterhin bewegen und modulieren kann. Über die nächsten Schritte und Schichten entstehen durch eine wässrige Tuscheschicht feine, organische Formen oder Linienstrukturen, die sich mit feingliedrigen Farbflächen abwechseln. Im Dialog mit dem jeweils Entstandenem und den weiteren Schichten entwickle ich Bildkompositionen, die von luftig-leicht bis kompakt-dicht variieren können.

Das vermeintlich Sichtbare und die derart definierte gegenständliche Welt scheinen mir vielseitig „trügerisch“: nicht nur verändert sich das Sichtbare des uns Umgebenden zyklisch und evolutionär, es ist auch unserer jeweils eigenen Wahrnehmung zu verdanken, dass sie uns unterschiedliche Aspekte des Sichtbaren eröffnet. Wir bewegen uns in Realitäten, die zuvor keine waren und bald überholt sein werden, dem sichtbar Gewohnten unterlegen, oft, ohne uns dem Unerschlossenen, gar Unerschliessbarem hinzugeben. Es ist die Vorstellungswelt, die uns prägt. Ich benutze die malerischen Mittel – Farbe, Farbträger, Farbmedium, Materialität und Werkzeug –, das Handfeste, mit welchen ich in das erst noch zu Entstehende vorstossen kann.

Malerei führt mich in diese Richtung des noch-zu-Entstehendem, wenn ich das Unfassbare – jedoch Reelle – verfolge, einfange und forme: eine Vielschichtigkeit von Sensibilitäten und Wahrnehmungen, die ihre eigene Präsenz einfordert, Gelegenheit für Wechselwirkungen schafft und auf etwas hindeutet, das ausserhalb eines bestimmbaren Ortes und einer definierbaren Zeit liegt.

Ich bin mit der Malerei auf der Suche nach einer Annäherung an dieses nicht unbedingt sichtbar Reelle und an dessen Darstellungsmöglichkeiten. Ich bin den Beweggründen der Abstraktion auf die Spur gegangen, und dem inneren Antrieb, einem Lebensrhythmus, einer Bewegung, einer Energie gefolgt, welche den Gezeiten und dem menschlichen Werden unterliegen. Dies in Malerei zu übertragen, das Fliessen darzustellen und auch zu verkörpern, die sanfte Bewegung der Veränderlichkeit festzuhalten, den Blick einzupendeln auf ein Dazwischen wird für mich als Malerin aber auch als Beobachterin zum Bildinhalt.

Matt Stenberg

I’m interested in how we connect—with each other, with ourselves, and with the world around us. My work comes from a place of curiosity and reflection. I pull from literature, philosophy, psychology, and the visual noise of mass media and pop culture—not to make statements, but to ask questions.  After years working in graphic design, I started to feel the need to make something more personal. Something slower, more human. That’s when I began building a multidisciplinary practice, letting painting, drawing, and visual language become ways to explore communication, empathy, and what it means to live with both joy and uncertainty.  There’s often a mix of optimism and anxiety in my work. Power and vulnerability. Stillness and movement. I try to use as little as possible—just enough to hold a feeling or a thought. I’m drawn to simplicity not because it’s easy, but because it leaves space—for interpretation, for emotion, for breath.  At the core of it all, I’m trying to create moments where people can pause. Even briefly. And maybe feel a little less alone.

Elsbeth Gyger

In meiner künstlerischen Praxis setze ich mich mit der Ästhetik der reduzierten Form in den Farben Schwarz und Weiss auseinander. Die Formen dieser Bildsprache leiten sich oft von der Natur ab. In meinen neusten Arbeiten entstehen serielle, organische schwarze Flächen auf weissem Grund. Anschliessend wird das Papier gefaltet, wodurch klare Linien entstehen, die einen Kontrast zur weichen Grundform bilden. Durch die Faltung verwandelt sich das Papier in räumliche Flächen, in denen sich der Lichtwechsel in unterschiedlichen Abstufungen auf den schwarzen Flächen spiegelt.

Christine Dürr

Christine Dürr
Hafenateliers Birsfelden 248

Text über das Werk

Was ich tue, nenne ich bilderbilden.

Zum grössten Teil besteht mein Werk aus Arbeiten auf Papier.
Die Papiere haben selten mehr als ein-, oder zwei m2 Fläche.
Meine Farben sind selbst hergestellt, so habe ich
sie im Griff, aber umso mehr Freiheiten kann ich der Farbe
auf dem Papier geben.

Es ist nicht zu wissen, wie ein Bild dann aussehen wird.
Das erfahre ich dann während der Arbeit.
Und Linien sind eine brauchbare Art zu denken,
ich verwende sie gerne.
Ich stelle mir Regeln auf und ich bleibe restriktiv
mit meiner Imagination und Vorwegnahme.

Was daraus wird, ist ‚VORgegenständlich‘.
Ich gelange an den Ort, wo das Entstehen zwischen mir
und auch im Bild geschieht. Das kann man sehen,
und vermutlich können das auch andere erkennen,
das zu zeigen, ist sehr interessant.