stoeckerselig.ch
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Auf dem Wolf 13
4052 Basel
tél : 07 88 22 00 60
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Grosse offene Türesituer sur la carte
Présentation
Im Atelier arbeiten stöckerselig (Annette Stöcker 1962 / Christian Selig 1954) prozessorientiert und materialnah. Ausgangspunkt ist häufig eine konkrete Fragestellung, ein Motiv oder ein Stoff. Sie beginnen mit Beobachtung und Versuchsanordnungen: Dinge werden gesammelt, verändert, gedreht, geschichtet, fotografiert, gefilmt oder geröntgt. Dabei geht es weniger um das schnelle Resultat als um das genaue Hinsehen über einen längeren Zeitraum.
Ein Beispiel ist die fotografische Untersuchung von Kartoffeln und Äpfeln. Die Objekte wurden nicht arrangiert, um ein ideales Bild zu erzeugen, sondern über Wochen hinweg begleitet. Schrumpfen, Austreiben, Verfärben – diese Veränderungen wurden dokumentiert. So entstand eine Serie, die Alterungs- und Transformationsprozesse sichtbar macht. Ähnlich arbeiteten sie mit Glycerinseife: In größeren Mengen gegossen, geschnitten oder geschichtet entstanden transparente und halbtransparente Körper. Parallel dazu wurden kleine Skulpturen geröntgt. Durch Rotation während der Aufnahme wurden innere Strukturen als bewegte Bilder erfahrbar. Das Atelier ist dabei Labor, Werkstatt und Denkraum zugleich. Entscheidungen entstehen im Dialog zwischen Material, technischem Verfahren und konzeptueller Überlegung.
Wesentlich ist die gemeinsame Autorschaft. Ideen werden nicht einzelnen Personen zugeschrieben, sondern im Austausch entwickelt. Skizzen, Gespräche, Proben und Tests führen schrittweise zu einer Form. Manche Arbeiten bleiben über Jahre offen und werden weitergeführt oder neu kontextualisiert.
Im öffentlichen Raum verschiebt sich der Fokus. Hier geht es um Sichtbarkeit, Reibung und direkte Ansprache. Projekte wie die Plakataktion Kunstmafia nutzten Strategien der Werbung oder Fahndungsplakate, um Strukturen des Kunstmarkts zu thematisieren. Die Arbeiten wurden nicht im geschützten Ausstellungsraum gezeigt, sondern in Städten wie Basel, Berlin oder New York angebracht. Dadurch trafen sie auf ein Publikum, das nicht gezielt nach Kunst sucht.
Auch dokumentarische Projekte im urbanen Raum folgen diesem Ansatz. In Paris entstanden Video- und Tonaufnahmen von Marktgeschehen und Demonstrationen. Das Material wurde später zu Installationen verdichtet. Die Recherche selbst – das Anwesendsein, Zuhören, Mitgehen – war Teil der Arbeit. Im Unterschied zum Atelier, wo Prozesse kontrolliert und wiederholt werden können, ist der öffentliche Raum von Unvorhersehbarkeit geprägt. Reaktionen, Witterung, rechtliche Fragen oder Eingriffe Dritter beeinflussen das Ergebnis.
